Herzerkrankungen der

 Katzen

 

Erkrankungen des Herzens treten bei Katzen verhältnismäßig häufig auf. Innerhalb dieser heterogenen Erkrankungsgruppe ist prinzipiell zwischen primär-idiopathischen und sekundär-erworbenen Kardiomyopathien zu unterscheiden.

 

 

 

Primär-idiopathische Kardiomyopathien

 

                              -> Hypertrophe Kardiomyopathie

                              -> Restriktive Kardiomyopathie

                              -> Dilatative Kardiomyopathie

                              -> Arhythmogene Rechtskardiomyopathie

                              -> Unklassifizierte Kardiomyopathie

                           

 

Sekundär-erworbene Kardiomyopathien

Die häufigsten Ursachen sekundärer Herzmuskelerkrankungen sind die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) sowie die Chronische Niereninsuffizienz (Chronische Nephropathie). Beide Erkrankungen führen im fortgeschrittenen Stadium zu Hypertonie (Bluthochdruck). Reaktiv entsteht hierauf am Herzen eine Linksherzhypertrophie. Weiterhin schädigt Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) sowie eine Überfunktion der Nebennierenrinde mit Cortisolüberproduktion (M. Cushing) den Herzmuskel. Sekundäre Herzmuskelerkrankungen können auch die Folge von Entzündungen sein. Infektionen mit den Erregern des Katzenschnupfenkomplexes sowie der Katzenseuche – Panleukopenie – können eine Endo-Myokarditis auslösen. Weiterhin schädigen Bakterien, Pilze sowie Parasiten den Herzmuskel. Zu den eher selteneren Ursachen einer Kardiomyopathie zählen die Endomyokardiale Fibrose bzw. Fibroelastose. Infiltrative Kardiomyopathien können neoplastischer Natur oder Glykogenspeicherkrankheiten sein. Ein Nahrungsdefizit an Taurin löst eine Taurinmangelkardiomyopathie aus. Adipositas lässt ebenfalls keine optimale kardiale Funktion zu.

 

 

Die Entwicklung einer Herzmuskelerkrankung verläuft in der Regel chronisch-progredient mit einer sehr langen okulten Kompensationsphase. Aufgrund dessen ist das Allgemeinbefinden einer an einer Kardiomyopathie erkrankten Katze bis in weit fortgeschrittene Erkrankungsstadien gänzlich ungestört! Der Katzenliebhaber bemerkt an seiner Katze keinerlei Auffälligkeiten. In diesem sehr langen Kompensationsstadium liegt das Dilemma dieser Erkrankung. Kommt es infolge Immunsuppression zur   Dekompensation, so geht die Kardiomyopathie in das Stadium der Herzinsuffizienz über. Selbst die besten Therapeutika sind oft nicht mehr in der Lage, eine Rückführung in den früheren Zustand zu bewirken.

 

 

Die Anzeichen einer kardialen Dekompensation, d.h. einer Herzinsuffizienz,  sind zunächst unspezifisch.  Die Katze zeigt Verhaltensänderungen. Sie zieht sich von Ihrem geliebten Menschen zurück, möchte in Ruhe gelassen werden. Die Futteraufnahme sistiert meist völlig, wobei dem eine Phase vorausgeht, in der nur bestimmte Futtermittel von der Katze aufgenommen werden. Sehr oft muß die Futtersorte gewechselt werden.

Aus diesem unspezifischen mit Apathie und Anorexie einhergehenden initialen Dekompensationsstadium folgen dann oft respiratorische Symptome. Die Atmung ist schneller und erschwert sowie abdominal betont. Dies kann sich bis zu einer Schnappatmung bei geöffnetem Fang steigern.  Die Ursache hierfür ist entweder ein Lungenödem oder ein Pleuralerguß (Flüssigkeitsansammlung in der Brusthöhle). In schweren Fällen können vollständige oder partielle Lähmungen der Hinterbeine (Aortenthrombose) oder Sehstörungen bis hin zur Erblindung infolge Netzhautablösung auftreten.                                                   

 

 

Welche Möglichkeiten haben Sie als Katzenliebhaber, zu erfahren, ob Ihre Katze an einer Kardiomyopathie leidet?

Mittels Vorsorgeuntersuchungen beim Tierkardiologen können Katzen mit einer Herzmuskelerkrankung im kompensierten Stadium diagnostiziert werden. Die Progression der Herzmuskelerkrankung kann durch gezielte therapeutische Maßnahmen entsprechend des jeweiligen kardiologischen Untersuchungsbefundes zumeist deutlich hinausgezögert, bei einigen Patienten sogar aufgehalten werden.

Präanästhetische Herzuntersuchungen sind bei Katzen ebenfalls sehr zu empfehlen, da nicht alle Kardiomyopathien bei der Auskultation beim Hautierarzt auffallen. Abweichende Auskultationsbefunde wie Herznebengeräusche oder ein „Galopprhythmus“ sollten immer mittels einer sorgfältigen kardiologischen Untersuchung abgeklärt werden.

 

 

 

BLUTDRUCKMESSUNG BEI KATZEN

Die Bedeutung des Blutdrucks wurde in der Kleintiermedizin lange Zeit unterschätzt. Aufgrund verbesserter Meßtechniken wurde ersichtlich, daß häufige "Erkrankungen der alten Katze" mit einer sekundären Hypertonie - Bluthochdruck- einhergehen, wie die Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit") sowie die primäre Hypertrophe Kardiomyopathie. Eine primäre Hypertonie scheint es bei Katzen im Gegensatz zum Menschen nicht zu geben.

Die Folgen des Bluthochdrucks bei Katzen sind Schädigungen der "Endorgane" (Auge, Gehirn, Herz, Nieren, Gefäßsystem, etc.). Am Auge kommt es infolge Hypertonie zur Netzhautablösung (Ablatio retinae), oft mit Einblutungen verbunden ("Rotes Auge"). Diese Katzen sind ophthalmologische Notfallpatienten. Setzt die  Therapie nicht innerhalb der ersten Stunden nach Auftreten der Veränderungen ein, so sind die Veränderungen meist irreversibel. Seitens der Nieren entwickelt sich bei länger bestehender Hypertonie eine Glomerulosklerose mit progredientem Verlust der Funktionsfähigkeit. Bluthochdruck am Gehirn  kann über Ischämie zu Blutungen führen. Die Folge sind zentralnervöse Störungen. Aus kardialer Sicht ist die häufigste Ursache einer Linksherzhypertrophie in einer Hypertonie zu sehen. Generell führt ein erhöhter Blutdruck am Gefäßsystem zu einer Hyperplasie der glatten Muskulatur sowie zur Einlagerung von hyalinem Zellmaterial. Die Gefäßwand verliert an Elastizität, wodurch der periphere Widerstand steigt und somit auch der Blutdruck.

Abb. 1: EKH 17J.: Blutdruck bei Erstvorstellung: 230 mm Hg systolisch.          Grunderkrankung ist eine Chronische Nephropathie. Kardial infolge Hypertonie besteht eine ausgeprägte Linksherzhypertrophie

 

           Abb. 2: Perser 8J.: Blutdruck bei Erstvorstellung: 280 mm Hg systolisch.    Grunderkrankung ist eine Primäre Hypertrophe Kardiomyopathie

 

 

HYPERTROPHE  KARDIOMYOPATHIE

Die Hypertrophe Kardiomyopathie stellt die häufigste Herzerkrankung der Katze dar. Es handelt sich bei der HCM oder HKM um eine primäre, genetisch bedingte Herzmuskelerkrankung, in deren Verlauf es zu einer Hypertrophie des linken Ventrikelmyokards kommt.

Die Diagnose einer Hypertrophen Kardiomyopathie ist nur nach Ausschluß anderer kardialer, systemischer oder metabolischer Erkrankungen, die zur Linksherzhypertrophie führen, möglich.

 

 

 

 

Definition nach Dr. Kittleson (1998):

Die Hypertrophe Kardiomyopathie ist eine Erkrankung, welche gekennzeichnet ist durch eine primäre, genetisch fixierte, gering bis hochgradige, konzentrische Hypertrophie vorwiegend des linken Ventrikels.

 

          Abb. 3: Einjähriger Maine Coon Kater mit hochgradiger HCM (Längsschnitt)

 

Abb 4.: Einjähriger Maine Coon Kater mit hochgradiger HCM (Querschnitt)

 

Abb. 5: Sektionspräparat:  Hypertroph-obstruktive Kardiomyopathie

 

 

           Video 1: Einjähriger Maine Coon Kater mit hochgradiger HCM

 

 

Dr. Sisson 2004

 (Aus: Feline Health Symposium Cardio)

„We should only use the term „Hypertrophic Cardiomyopathie“, when all other causes of left ventricular hypertrophy have been ruled out such as hypertension and hyperthyreoidism. When we say „HCM“ we should be referring to those idiopathic cases that either have a probable genetic cause or an as yet undetermined cause. It is important to rule out known causes of LVH in patients, because their disease may indeed be reversible. But as of now, we have no proven therapies to reverse true HCM.

 

Anfangsstadium HCM:

  Papillarmuskelverdickung:

Entsprechend den Untersuchungen von Dr. Kittleson signalisiert eine Papillarmuskelverdickung häufig den Beginn einer Hypertrophen Kardiomyopathie.  Als Differentialdiagnose für Papillarmuskelveränderungen kommen Infektionen jeglicher Art in Frage. Bei Zuchtuntersuchungen ist zur Klärung des Sachverhaltes bei „unklaren Fällen“ eine Nachuntersuchung erforderlich.                         

   

Ursachen der HCM:

Die Ursachen der Hypertrophen Kardiomyopathie liegen auf Genebene. Es handelt sich um Genmutationen, welche die kardialen Sarkomerproteine kodieren. Die Erkrankung ist vergleichbar mit der Familiären Hypertrophen Kardiomyopathie des Menschen. Der Erbgang ist polygenetischDr. Kittleson konnte für die Hypertrophe Kardiomyopathie bei der Maine Coon eine autosomal-dominante Vererbung nachweisen. Histologisch entsteht die Hypertrophie infolge einer veränderten Anordnung der Myozyten-Bündel. Man findet arteriosklerotische Veränderungen der Koronargefäße, Myozytennekrosen, Myokardfibrosen sowie Myokardinfarkte.

  

 

  Diagnose der HCM

Die Echokardiographie ist zur Zeit immer noch das einzigste Untersuchungsverfahren zur Diagnostik der Hypertrophen Kardiomyopathie.  In den USA arbeiten Forschungslabors seit Jahren an einem Gentest. Aufgrund des polygenetischen Erbgangs gestaltet sich dies jedoch als schwieriger wie Anfangs erwartet. Da die Erkrankung zumeist nicht an rein objektiv messbaren sonografischen Echoparametern festgemacht werden kann, erfordert das Screening auf Hypertrophe Kardiomyopathie sehr viel Erfahrung des Untersuchers. Aufgrund dessen sollten nur erfahrene Kardiologen Zuchttiere auf Hypertrophe Kardiomyopathie hinuntersuchen. Grenzwertige Befunde werden als solche gekennzeichnet und sollten zur Nachuntersuchung nach 6 Monaten vorgestellt werden.

 

 

HCM-SCREENING

Die Untersuchung auf Hypertrophe Kardiomyopathie stellt eine wichtige Vorsorgeuntersuchung zur Gesunderhaltung einer Katzenzucht dar.

 

Rasseprädisposition für HCM:

                                 -> Maine Coon

      ->  British Shorthair

      ->  American Shorthair

      ->  Norwegische Waldkatze

      ->  Perser

      ->  Ragdoll    

                                              u.v.andere!!!!

 

 

 

Untersuchungsalter:

(Empfehlung nach Kittleson): 

               -> Kater ab 2 Jahren

               -> Kätzinnen ab 3 Jahren

       -> Jungtiere mit pathologischem Auskultationsbefund:

                   prinzipiell zu jedem Alter

               -> Jungtiere aus HCM-belasteten Linien: ab 6

                   Monaten

-> Grundprinzip: HCM-Screening vor dem 1. Zuchteinsatz!!!!!

 

 

 

 

Krankheitsverlauf einer einjährigen Maine

 Coon mit hochgradiger HCM:

 

 

Nachfolgend der Krankheitsverlauf eines bei Erstuntersuchung einjährigen Maine Coon Katers mit hochgradiger HCM. Hiermit möchte ich eindringlich auf die Bedeutung einer genetisch bedingten Herzmuskelerkrankung aufmerksam machen. Ich hatte diesen Kater nach Diagnosestellung übernommen. Jedoch ist er trotz regelmässiger kardiologischer Kontrollen in 6-8 wöchigen Abständen und täglicher konsequenter Medikamentenapplikation im Alter von 2 1/2 Jahren infolge Herzinsuffizienz verstorben.

 

Abb.: 9: Hgr. HCM mit 8,5 - 9 mm Wandstärken für Septum + Hinterwand.Linkes Atrium bei Erstvorstellung im Alter von 1 Jahr: : 21 mm.

 

Abb.10: Kontroll-US mit 18 Monaten : Linkes Atrium auf 24 mm dilatiert.

 

Abb.11: Kontroll-US mit 2 Jahren: Linkes Atrium > 30 mm, ggr. Perikarderguß.

Aortenthrombose, d.h. vollständige Lähmung beider Hintergliedmaßen, mit einem linken Atrium > 30 mm.. Die Thrombose konnte mittels Plasminogenaktivatoren erfolgreich aufgelöst werden. Voraussetzung hierfür war ein Einsetzen der fibrinolytischen Therapie innerhalb der ersten 6 - 8 Stunden nach Auftreten der ersten Lähmungsanzeichen. Mittels Intensivtherapie durfte unser geliebter Kater noch für ca 3 Monaten nach der Thrombose bei uns bleiben. Die Lebensqualität für ihn war o.k., er wollte in diesem Zustand noch täglich vor der Haustür sitzen und Vögel beobachten. Ich glaube, ich habe mehr wie er an seiner Erkrankung gelitten. Seine kardialen Befunde signalisierten keine große Hoffnung auf langfristige Stabilisierung.

 

 

Warum ließ sich der Krankheitsverlauf bei diesem Kater medikamentell nicht beeinflussen? Ursache hierfür war die hochgradige linksventrikuläre Hypertrophie mit Obstruktion des aortalen Ausflußtraktes. Weder mit Calciumantagonisten, noch mit Betablockern oder ACE-Hemmern läßt sich die Funktion eines derart hochgradig hypertrophierten  Herzmuskels erhalten!!!!! Da es sich bei der Hypertrophen Kardiomyopathie um einen polygenetischen Erbgang mit vielen Mutationsmöglichkeiten handelt, besteht prinzipiell auch bei der Verpaarung von Katzen mit nur leichter HCM die Möglichkeit, daß die Nachkommen eine hochgradige HCM entwickeln! Darum mein eindringlicher Appell an alle Katzenzüchter: HCM-Screening sollte eine Grundvoraussetzung einer Edelkatzenzucht sein! Alle Katzen mit HCM gleich welchen Grades sollten nicht in der Zucht eingesetzt werden!!!!!

 

 

 

  Restriktive Kardiomyopathie

Die Restriktive Kardiomyopathie stellt die zweithäufigste Herzerkrankung der Katze dar. Man unterscheidet zwischen der myokardialen und der endomyokardialen Form. Pathohistologisch findet man myo- und endomyokardiale, zum Teil auch interstitielle Fibrosen. Die Folge ist eine diastolische Funktionsstörung mit ein- oder beidseitiger Vorhofdilatation.

                       

Abb. 12: Sektionsbefunde von Katzenherzen mit Restriktiver Kardiomyopathie -  Längsschnitte      

               

Abb. 13: Sektionsbefunde von Katzenherzen mit Restriktiver Kardiomyopathie - Querschnitte sowie Histologie 

Restriktive Kardiomyopathien zeichnen sich durch eine zumeist hochgradige linksatriale Dilatation, teilweise auch rechtsatriale Vergrößerung bei häufig normalen linksventrikulären Parametern aus. Aufgrund der hochgradigen Vorhofdilatation besteht ein erhöhtes Thromboserisiko!

Abb. 14: 17 Jahre alte Hauskatze mit hochgradiger restriktiver Kardiomyopathie

Restriktive Kardiomyopathien neigen im dekompensierten Stadium häufig zu Pleuralergüssen - Flüssigkeitsansammlung in der Brusthöhle. Diese müssen vom Tierkardiologen unter Ultraschallkontrolle abpunktiert werden. Eine medikamentelle Ausschwemmung über einen längeren Zeitraum zieht zumeist infolge der Erhöhung der Blutviskosität eine Thrombose nach sich. 

 

Abb. 15: Restriktive Kardiomyopathie mit Pleuralerguß

 

 

Dilatative Kardiomyopathie

Dilatative Kardiomyopathien treten bei Katzen in den letzten Jahren eher selten auf. Früher war die Ursache hierfür ein nutritiv bedingter Taurinmangel. Durch vermehrte Taurinsubstitution in die Katzenfutter konnte die Dilatative Kardiomyopathie erheblich zurückgedrängt werden. Primäre dilatative Kardiomyopathien findet man am ehesten bei den Orientalischen Katzenrassen, wie Siam, Abessinier, Devon Rex etc. Sonografische Befunde sind ein dilatierter linker und/oder rechter Ventrikel bei reduzierter Kontraktilität sowie vergrößerte endsystolische und enddiastolische Kammerdurchmesser. Die Vorhöfe sind oft mit erweitert, wenn gleich nicht so hochgradig wie bei der restriktiven Kardiomyopathie. 

 

 

 

Unklassifizierte Kardiomyopathien

Ab und an zeigen Katzen Kardiomyopathienformen, die in keine der bisher beschriebenen Kategorien passen. Häufig ist hierbei der rechte Ventrikel auffallend hypertrophiert. Daher werden sie auch öfter als "Rechtskardiomyopathie" bezeichnet.

Abb. 16: Einjährige EKH mit unklassifizierter Kardiomyopathie - Längsschnitt

 

Abb. 17: Einjährige EKH mit unklassifizierter Kardiomyopathie - Querschnitt